Was engagierte Frauen bis heute bewegt

IG Metall Friedrichshafen-Oberschwaben lädt zum Arbeitnehmerinnenempfang ins GZH

Schwäbische Zeitung 10. 3. 2014Sie setzen sich aktiv für Frauen ein: (von links) Martina Schorrer-Möller und Sabine Pfleghar, Betriebsrätinnen von MTU und ZF, Lilo Rademacher, 2. Bevollmächtigte der IG Metall Friedrichshafen-Oberschwaben, Referentin Claudia Peter, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Gaggenau, und das Gesangsduo Blandine Bonjour und Bernd Köhler. FOTO: CHRISTEL VOITHVon Christel Voith

FRIEDRICHSHAFEN - Zum Internationalen Frauentag 2014 hat der-Ortsfrauenkreis der IG Metall Friedrichshafen- Oberschwaben am Sonntagmorgen Claudia Peter, die Erste Bevollmächtigte der IG Metall Gaggenau, als Referentin eingeladen. Beim Arbeitnehmer/ innen­empfang im Graf-Zeppelin-Haus (GZH) hat sie in entspannter Atmosphäre bei Kaffee und Kuchen zum Thema „Was bewegt Frauen im Jahr 2014” gesprochen.

Sabine Pfleghar, Betriebsrätin der ZF, sprach in ihrer Begrüßung die im Raum stehenden Themen wie Entgeltlücke und gleiche Chancen für Frauen bereits an und wies auf positive Zeichen hin. Veronika Wäscher-Göggerle, Frauen- und Familienbeauftragte des Bodenseekreises, erinnerte an den ersten Frauentag 1911 in Amerika, dessen Ziele teilweile noch immer aktuell seien, und wünschte den Gewerkschafterinnen viel Kraft und Kampfgeist.

In ihrem dynamischen Referat verwies auch Claudia Peter anfangs auf das bisher Erreichte und machte Mut, weitere Verbesserungen anzustreben. Die etwa 400 000 organisierten Frauen in der IG Metall sollten stolz sein auf ihre Leistungen und sich nicht verstecken, sondern eine aktive Frauen- und Gleichstellungsarbeit machen. Um die erwünschte Entgeltgerechtigkeit zu erreichen, müssten Betriebsrätinnen wie Vertrauenstrauen auf die Einhaltung der Tarifverträge achten und für Transparenz und Korrekturen sorgen. Familienzeiten für Kinder oder Pflege dürften zu keinen Benachteiligungen führen, der Zugang zur Weiterqualifizierung müsse auch bei Teilzeit oder reduzierter Vollzeit möglich sein.

Mehr Zeitsouveränität gefordert

„Reduzierte Vollzeit” war ein Stichwort für die geforderte Flexibilität der Arbeitszeit. Dabei gehe es nicht um die Wahl zwischen Teil- und Vollzeit, sondern um eine individuell der jeweiligen Situation angepasste Arbeitszeit, die auch nur wenig unter der Vollzeit liegen könne. Die Forderung nach mehr Zeitsouveränität schließe die Möglichkeit kurzzeitiger Reduzierung aus privaten Bedürfnissen ein, wobei die Rückkehr zur Vollzeit garantiert sein müsse, auch um der drohenden Altersarmut entgegenzuwirken.

Die Erwerbsfähigkeit der Frauen sei eng verbunden mit der kommunalen Situation, mit Familien- und Sozialpolitik. Statt Betreuungsgeld sollte die Kommune die passende Infrastruktur zur Kinder- und Pflegebetreuung gewährleisten. Daher rief die Referentin alle Frauen auf, sich als Kandidatinnen in Betriebsratswahl, Kommunalwahl und Europawahl einzumischen, um die Ursachen von Geschlechter-Ungerechtigkeit zu beseitigen.

Mit philosophischen und literarischen, suggestiven, kämpferischen, mitreißenden und melancholischen Frauenliedern und Chansons umrahmten Bernd Köhler und Blandine Bonjour aus Mannheim den Arbeitnehmerinnenempfang - ihr Vortrag machte Lust auf ein abendfüllendes Konzert.