Lieder der Freiheit

Blandine Bonjour und Bernd Köhler imRonge-Haus

VON GEREON HOFFMANN
„Einer für alle - alle für einen”, das Motto der Musketiere ist bekannt. Für Blandine Bonjour und Bernd Köhler ist dieses Ideal auch in heutiger Zeit gültig. Überall wo Menschen gegen Ausbeutung, Unterdrückung und Unrecht kämpfen, werden sie gebraucht, die „Nouveaux Mousquetaires”. Das gleichnamige Programm stellte das Liedermacher-Duo im Johannes-Ronge-Haus der Freireligiösen Gemeinde der Pfalz in Ludwigshafen vor.

Es war auf Sizilien, in einem kleinen Dorf, wo Bernd Köhler mit rudimentärem Italienisch einkaufen wollte. „Wu kumsch'n du her?”, tönte es plötzlich von der anderen Seite der Theke. Der sizilianische Ladenbesitzer erzählte, er habe lange „uff de Rheinau g'schafft” – wie viele aus dem Dorf Cattolica Eraclea. Zusammen mit Blandine Bonjour lernte Köhler dort Lieder der Dorfbewohner, die als „Gastarbeiter" in die Fremde zogen, viele nach Ludwigshafen.
Dort kamen die Lieder nun gut an, die Köhler und Bonjour mit Gitarre und Gesang, Akkordeon und Melodica vortrugen. Zwar war keiner der Zuhörer des sizilianischen Dialektes mächtig, aber den Refrain „la rula le” hatte das Publikum schnell gelernt. 100 Jahre vor dem Aufbruch der Italiener nach Deutschland organisierten sich Feldarbeiterinnen der Po-Ebene. In ihrem Lied „La Lega” (Der Bund) heißt es „wir wollen die Freiheit, im Interesse unserer Kinder”.
Köhler und Bonjour erzählen, wo sie die Lieder ihres Programms gefunden haben und welche Geschichten dahinter stecken. Wie schon in früheren Programmen sind es stets engagierte und kritische Songs, vorwiegend aus der Arbeiterbewegung und aus Freiheitskämpfen.

Köhler und Bonjour werden bei ihren Auftritten oft gebeten, ein bestimmtes Lied zu singen. Wenn sie dieses nicht im Repertoire haben, kommt es vor, dass sie es lernen und neu ins Programmnehmen. Sowar es auch mit ihrem ersten türkischen Lied. „Kardezin Duymaz” schrieb der türkische Dichter und Sänger Zülfü Livaneli während der Militärdiktatur in seiner Heimat, als er als politischer Gefangener inhaftiert war. „Mein Bruder hört mich nicht, der Fremde wird mich hören”, heißt es in dem Liedtext.

Zum Programm gehören Lieder über die Pariser Kommune, die 1870 in Paris eine sozialistische Räterepublik errichten wollte, in der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit gelten. Die Kommune wurde niedergeschlagen, doch ihr Geist lebt weiter, wovon das Lied „Elle n'est pasmorte” (Sie ist nicht tot) Zeugnis ablegt, Komponist ist Eugène Pottier, der Verfasser der Internationale.