Blandine Bonjour

Blandine Rue-Mourguet 600Geboren bin ich in Frankreich in Lyon – Stadt der „canuts“, der Seidenweber, die 1831 den 1. Arbeiteraufstand in Europa erprobten; leider ohne Erfolg. Die ersten Jahre in der Rue Laurent Mourguet prägen unbewusst meine weitere Entwicklung. Mourguet war der Erfinder von „guignol”, ein frecher Kasper mit losem Mundwerk, der regelmäßig den Gendarmen ärgert.

Aufgewachsen in St Etienne in einem streng katholischen Milieu, wo aber sehr viel im Schulchor gesungen wurde – ebenso zu Hause und auch bei den Pfadfinderinnen. Ich musste Klavierunterricht nehmen, daraus wurde nicht viel.

Ab der Pubertät vier Mal Schulwechsel (immer katholische Einrichtungen) aufgrund irgendwelcher Lappalien. Höhepunkt disziplinären Vergehens war bei der Weihnachtsfeier im Internat, als ich das Lied von Jean Ferrat „Potemkine“ (über die Revolte der Matrosen in der 1. russischen Revolution) sang und dann auch noch die Dreikönigsmesse am 6. Januar 1968 schwänzte. Ich wurde ohne Rücksicht auf das nahestehende Abitur von der Schule verwiesen.

Im Herbst begann ich das Studium der Germanistik an der Universität Jean Monnet in St Etienne, wo ich eine Singgruppe „les années 30“ gründete. Als ich den Sommer 69 in Deutschland verbrachte, traf ich auf meine große Liebe und blieb 7 Jahre in Aachen, um Romanistik und Geschichte zu studieren. Danach gemeinsame Rückkehr nach Frankreich, wo unser erster Sohn geboren wurde, ich mein Germanistikstudium abschloss und im Kulturverein „travail et culture“ arbeitete. Wir lebten vier spannende Jahre in einem „Le Corbusier Haus“ in Firminy.

1981 gingen wir nach Deutschland zurück, mittlerweile hatten wir ein Pflegekind und unser zweiter Sohn wurde geboren. Neben der Kindererziehung und der Arbeit als Französischlehrerin fand ich auch Zeit, Gesangsunterricht zu nehmen.

Irgendwann schenkte mir mein Mann ein Akkordeon.

In den 90er Jahren gründeten wir – eine Gruppe von singenden Französinnen – die „balladines“, die bis heute mit einem unterschiedlichen Chanson-Repertoire auftreten.

2003 traf ich den Liedermacher Bernd Köhler, der einen unkonventionellen Französischkurs mit Conversation suchte. Daraus wurde letztlich ein Chansonprogramm mit Liedern aus dem „anderen Frankreich“. Das Premiere-Konzert fand in Valprivas/Auvergne statt. So fing alles an ... den kleinen Französischkurs gibt es heute noch während die Bühnen für unsere Auftritte immer größer werden. Unsere erste CD „chansons sans cigare“ produzierten wir Mitte 2010. Die zweite CD „Les nouveaux Mousquetaires - chansons internationales” ist seit Dezember 2011 zu erhalten.

Meine ältere Schwester – mit der ich gern und oft singe – erinnerte mich vor kurzem an einen Satz unserer Großmutter: „Blandine, wenn du nicht weißt, was du im Leben machen sollst, kannst du immer noch auf die Bühne gehen ...“

Dass ich es erst jetzt realisierte ...

les francinesLes Francines, Foto Barbara StraubeKennengelernt haben sich Françoise Saunier (aus der Impressionisten- und Hafenstadt Le Havre) und Blandine Bonjour (aus der Seidenweberstadt Lyon) vor 4 Jahren in Heidelberg bei einem Konzert, das Blandine und Bernd Köhler im Rahmen der Französischen Woche gegeben hatten. Schnell haben die zwei Französinnen festgestellt, dass sie das gleiche Faible für das Chanson teilen. Da Françoise seit ihrem 15. Lebensjahr Gitarre spielt und heute (fast) jedes Chanson begleiten kann und Blandine seit ihrer Kindheit sozusagen keinen Tag ohne Singen verbracht hat, kam es schnell zu gemeinsamen lebhaften Liederabenden in ihren Wahlheimaten Heidelberg und Mannheim.

Der Schritt lag nicht weit, ihre Leidenschaft einem größeren Publikum zukommen zu lassen und so treten sie nun als Duo auf kleinen Bühnen und bei Privatfeiern in der Rhein-Neckar Region auf, um ihr geliebtes Chanson auf eine frische, freche und fröhliche Art aufzuführen.